Pfarrei St. Peter und Paul Winterthur

Das neue Pfabü zum Thema «Beziehungsvielfalt» ist erschienen

02.03.2017

Editorial

Das im Dezember 2016 von einer sechsköpfigen Fachjury gekürte Schweizer Wort des Jahres heisst "Filterblase". Die Neuschöpfung bezeichnet das Paradox: Je vernetzter die Welt, desto isolierter ist das Individuum in seiner Nische von Gleichgesinnten. "Filterblase" ist der Ausdruck für eine virtuelle Welt, in der man stets nur in seinen eigenen Vorlieben und Ansichten bestätigt wird. Soziale Netzwerke, wie Facebook, sind durch Algorithmen so programmiert, dass sich Menschen nur mit Gleichgesinnten verbinden. Die Kontakte innerhalb der Gruppe suggerieren den Beteiligten, sie seien Teil eines weit gespannten Beziehungsnetzes. In Wahrheit dreht sich der Informationsaustausch im Kreis. Das unablässige Senden und Empfangen von Gefällt-mir-Nachrichten ist nur die Tarnung des eigenen Narzissmus. Die Filterblase wirkt als Glocke, in der die eigene Stimme, als Echo widerhallend, sich andauernd fortpflanzt.

Das Leben in unserer realen Welt findet hingegen in echten menschlichen Beziehungen statt: zu einem Partner, einer Partnerin, den Eltern, den Kindern, zu Verwandten und FreundInnen, zu KollegInnen im Beruf, zu Nachbarn, zu Angehörigen der Pfarrei und so weiter. Der Vielfalt menschlicher Beziehungen sind keine Grenzen gesetzt. Das vorliegende Pfabü stellt unter dem Titel "Beziehungsvielfalt" eine kleine Auswahl vor.

"Ich bin, weil du bist." Der vom nigerianischen Künstler Chidi Kwubiri selbst gesetzte Titel zu dem von ihm geschaffenen Hungertuch besagt: Das Ich entsteht, weil es auf ein Du trifft. In der Tat sind wir Menschen auf Gegenseitigkeit hin angelegt, Teil eines Beziehungsnetzes, das, im Gegensatz zur Filterblase, prinzipiell keine Grenzen kennt. Über alle Unterschiede hinweg fühlen wir Menschen uns miteinander verbunden, verstehen wir uns als Geschwister. Ich nehme im Mitmenschen das Du wahr; ohne das Du wäre ich nicht Ich. Damit drücke ich gleichzeitig Anerkennung und Respekt, Nähe und Distanz zum andern aus, jene Nähe und Distanz, die auch die Beziehung Gottes zu uns Menschen kennzeichnet.

Die deutsche Lyrikerin Hilde Domin hat das, was der Gestalter des Hungertuchs zum Ausdruck bringt, in folgende Verse gefasst: "Es gibt dich / weil Augen dich wollen / dich ansehen und sagen / dass es dich gibt." Anders als die Filterblase mit ihrem Echoraum, ist jede echte Ich-Du-Beziehung offen, nicht programmierbar und voller Überraschungen.

Für die Redaktion
Otto Dudle

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