Neues Pfabü zum Thema «125 Jahre Frauenpower»

09.02.2018

Editorial

«Warst Du bei der Gründung des Frauenvereins schon dabei?» Dies hat mich Hugo Gehring gefragt, als er mich bat, in der Predigtreihe zur Fastenzeit mitzuwirken. Nein, ich bin zwar schon alt, aber 1893 war ich noch nicht dabei. Ich durfte aber 1993 mit einer grossen Frauenschar 100 Jahre Frauenverein St. Peter und Paul feiern. Ich erinnere mich noch gut.

Nach einem festlichen Gottesdienst haben wir uns im Pfarreiheim versammelt. Eine Gruppe von Frauen hat unter anderem ein Theater aufgeführt mit fünf Szenen. Jede Szene stellte spielerisch dar, was je in den fünf mal zwanzig Jahren geschehen ist. Wir haben damals gestaunt: Der Frauenverein hatte in seinen 100 Jahren eine grosse Kraft entfaltet. Er hatte ein Gespür gehabt für die sozialen Nöte der jeweiligen Epoche. Er hat beispielsweise einen Kindergarten, die Krankenpflegestation und die Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen. Ich habe für die fünf Theaterszenen den Text aufgrund der Vereinsprotokolle von 1893 bis 1993 verfasst. Die Frauen sind mit viel Liebe zum Detail in den Kleidern und der Haartracht der jeweiligen Zeit auf der Bühne gestanden. Wir haben viel gelacht.

Doch es lag auch eine gewisse Wehmut über der 100-Jahr-Jubiläumsfeier. Wie wird es weitergehen? Werden sich junge Frauen auch in Zukunft im Frauenverein St. Peter und Paul wohl fühlen? Oder geht es mit unserem Verein zu Ende? Zum Gottesdienst sind die Frauen singend in die Kirche eingezogen und haben gesungen: «Zieh den Kreis nicht zu klein, sprich andere an, steck andere an, zieh den Kreis nicht zu klein, singen kann Kreise ziehn…» Und siehe da: 25 Jahre später dürfen wir sagen: Der Frauenverein St. Peter und Paul hat Kreise gezogen, er hat junge Frauen angesprochen, andere angesteckt.

Allen Frauen, die sich dafür eingesetzt haben, dass der Frauenverein auch heute ein Ort ist, wo Frauen gerne zusammenkommen, junge Frauen ihren Platz finden und altgediente und engagierte Vereinsmitglieder nach wie vor Gemeinschaft erleben, danke ich aufrichtig und von Herzen und sage einfach: Macht weiter so! Dann können wir auch 150 Jahre Frauen St. Peter und Paul feiern. Ich werde nicht mehr dabei sein, möglicherweise aber Hugo Gehring.

Für die Redaktion
Josef Annen, Generalvikar

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