Neues Pfabü zum Thema «Brasilien - Hoffnung trotz allem»

28.11.2017

Editorial

Die kürzeste Definition von Religion – nach Johann Baptist Metz, einem grossen Theologen – lautet: «Unterbrechung». Wir Schweizer würden vielleicht eher «Unterbruch» sagen. Aber so oder so: Religion unterbricht unseren zweckgerichteten Alltag durch einen Freiraum, der eine andere Dimension ins Spiel bringt. Ein einfaches Beispiel: ein Stossgebet in der Not. Dieses unterbricht einen kurzen Moment lang die Bedrängnis und erinnert daran, dass über allem und in allem EINER da und mit mir ist.

Die grösste gesellschaftliche Unterbrechung durch Religion geschieht bei uns ohne Zweifel in der Advents- und Weihnachtszeit. Unsere Welt verändert sich für einige Wochen komplett. Auf Schritt und Tritt ist der Festglimmer wahrnehmbar. Natürlich hängt diese Verwandlung des alltäglichen Grau-in-Grau in den feierlichen Festtagsglanz mit Geschäftemacherei zusammen. Hugo Stamm, der inzwischen pensionierte «Sektenboxer» des Tages-Anzeigers, hat die interessante These vertreten, dass sich Religion dort am längsten hält, wo sie sich mit dem Kommerz verbindet. Für diese Mischung von wirtschaftlichen Interessen und religiösem Inhalt stellt die Zeit vor dem Weihnachtsfest sicher einen Höhepunkt dar.

Aber wir wollen nicht über die Kommerzialisierung des Advents klagen. Wir bieten als Pfarrei Alternativen dazu an. Wir laden Jahr für Jahr ein, dreimal am frühen Morgen gemeinsam im Dunkeln das Licht zu erwarten. Die Rorate-Gottesdienste sind sehr stimmungsvoll, bereiten sinnvoll auf Weihnachten vor und sind ganz und gar nicht kommerziell. Wir beginnen den Advent nicht nur mit Geschenke-Einkaufen und Weihnachtsguetsli-Backen, sondern mit einer Adventsaktion, die mithelfen will, die Ungerechtigkeiten in der Welt an einem Ort kleiner werden zu lassen. Dabei werden nicht unsere Konsumbedürfnisse geweckt, sondern wir werden zum Teilen des materiellen Wohlstands ermutigt. In der Bussfeier vor Weihnachten stimmen wir uns aufs Fest ein nicht durch das Öffnen des Portemonnaies, sondern durch das Öffnen des Herzens.

Lassen Sie sich in diesem Heft zu echten adventlichen Unterbrechungen des Alltags animieren!

Für die Redaktion
Hugo Gehring

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