Pfarrei St. Peter und Paul Winterthur

Abraham

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(Text aus Pfabü 110: Jahr des Glaubens)

sts | Er führt die Lichtgestalten auf der rechten Männerseite an. Das erste Kirchenfenster zeigt ihn, Abraham, den «Vater des Glaubens», wie er bereits in der Bibel liebevoll und hochgeschätzt genannt wird. Dabei lag über dieser Lichtgestalt für lange Jahre ein dunkler Schatten, eine Lebensenttäuschung, die erst spät von ihm genommen wurde. Er hatte keine Kinder und war inzwischen mit seiner Frau Sara in einem Alter, in dem man nicht mehr an Kinder denken konnte. Übrigens hütete er wie schon seine Vorfahren die Schafe. Im Zweistromland, zwischen Euphrat und Tigris, zog er mit seinen Verwandten und Nachbarn umher, immer auf der Suche nach Weide- und Futterplätzen für seine Herde.

Ist das die Ausgangslage, eine derart leuchtende Lichtgestalt des Glaubens zu werden? Was sollte ihm später den Titel «Vater des Glaubens» einbringen? Nun, das erste Buch im Alten Testament, das Buch Genesis erzählt uns seine Geschichte, die mit 75 (!) Jahren nochmals eine völlig verrückte Wende nimmt und seinen Lebensweg zu einem unwiderruflichen Glaubensweg macht.

Alles beginnt damit, dass ihm eine innere Stimme (ist es Gottes Stimme?) keine Ruhe lässt, sondern zu einem neuerlichen Aufbruch ins Ungewisse lockt und drängt. Das Versprechen ist vage, das entsprechende Wagnis hingegen riesig. «Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gross machen. Ein Segen sollst du sein.» (Gen 12,1f) Abraham kennt diesen Gott (noch) nicht, der da ruft, lässt sich aber trotzdem darauf ein – und stellt damit modernste Flexibilität und Mobilität in den Schatten mit seinem Glaubensmut, der ihn zu einer Reise ohne Rückfahrkarte aufbrechen lässt. Das scheint eine glaubensmässige Konstante zu sein: Glaubenssicherheit lässt sich nur auf dem unsicheren Weg von Glaubensschritten finden.

Tatsächlich zeigt sich der Glaube Abrahams nicht darin, dass er von Anfang an alles über Gott weiss, sondern darin, dass er den Weg geht, den Gott ihm zeigt und den dieser Gott mit ihm geht. Für diesen Weg gibt es keine Abkürzungen und handliche Routenplaner, vielmehr einzig die innere Zusage Gottes: «Ich bin mit dir!» Immer wieder fordert der Glaube dazu auf, über den Horizont eigener Möglichkeiten hinauszuschauen, sich gegen den Augenschein und für die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes zu entscheiden. Gerade für diese Einsicht liefert Abrahams Lebens- und Glaubensweg beispielhaft Stoff. Denn sein Aufbruch ins verheissene Land scheint zunächst immer wieder fehlzuschlagen. Nirgends kann er so richtig Fuss fassen und die versprochene Nachkommenschaft stellt sich auch nicht ein. In seinem Brief an die Römer bringt es Paulus später auf den Punkt, wenn er über Abraham sagt: «Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde». (Röm 4,18)

Tatsächlich sollte Abraham später noch leiblicher Vater werden, noch mehr aber geistiger Vater vieler Glaubenden bis zum heutigen Tag.