Schritt für Schritt

Ein Gebet begründet auf der Gebetsinitiative vom Kloster Fahr.

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Das neue Pfabü zum Thema "Anders sein ist normal" ist erschienen

28.09.2015

Editorial

Sind Ihnen in Bahnhofsnähe auch schon die weissen Rillen am Boden aufgefallen? Es sind Seh- respektive Gehhilfen für sehbehinderte Menschen, denen so ein eigenständigeres Sich-Bewegen ermöglicht wird. Eigentlich müsste eine solche weisse Linie (oder am besten noch mehr von allen Seiten) bis zu unserer Kirche und in unsere Herzen führen. Zumindest wäre oder ist das der Wunsch der katholischen Behindertenseelsorge des Kantons Zürich, die in ihrer laufenden Strategie (2012– 2016) ganz stark auf «Inklusion» setzt. – Entschuldigen Sie dieses Fremdwort, das so modern und technisch daherkommt. Ich könnte es gerade so gut mit einem biblischen Wort von Paulus ausdrücken, um was es im Gedankengut von «Inklusion» geht: «Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich».

Zweifellos, Menschen mit Behinderung zählen zu den schwächer Scheinenden. Ihnen muss (und wird) viel geholfen und mit manchen baulichen Massnahmen eine grössere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Damit allein werden sie aber noch zu stark aus der Optik ihrer Hilfsbedürftigkeit gesehen und ihr Beitrag glatt übersehen, ohne den uns sogenannt «Gesunden» Wichtiges fehlt und entgeht. Josef Annen in seiner Funktion als Generalvikar schreibt deshalb im Vorwort zur erwähnten Strategie der Behindertenseelsorge: «Wenn Menschen mit Behinderung in unseren Pfarreien mit ihrer Stimme und ihren Erfahrungen fehlen, sind gerade jene, die unentbehrlich sind, nicht anwesend. Nehmen wir das Bild von Paulus mit dem einen Leib und den vielen Gliedern auf, heisst das: Wenn Menschen mit Behinderung in der Kirche fehlen, sind wir nicht Kirche.»

Ja, die Kirche, eine Pfarreigemeinschaft darf sich niemals als geschlossene, exklusive Gesellschaft verstehen – sonst steht sie nicht mehr in der Nachfolge Jesu Christi, der am Schluss seines Lebens ausgestossen und ausgeschlossen wurde und historisch eine Episode geblieben wäre, hätte ihn Gott nicht selber in seiner Auferstehung rehabilitiert. An dieser Rehabilitation und Inklusion allen Lebens haben wir weiter zu arbeiten und dafür zu beten. Das ist wohl der vornehmste Auftrag einer christlichen Gemeinschaft. Sind Sie dabei?

Mit dieser Nummer des Pfarreibulletins «Anders sein ist normal» verbinde ich die heimliche Hoffnung, dass wir auch für unsere Pfarrei eineNBeauftragteN für Inklusion finden. Das heisst konkret, eine oder zwei Personen zu finden, die das Anliegen wach halten möchten und zunächst einfach selber wach bleiben für die Anliegen, die Präsenz oder das Fehlen von Menschen mit Behinderung in unserer Pfarreigemeinschaft.

Mit hoffnungsvollen Grüssen
Stefan Staubli

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