Neues Pfabü zum Thema «Bedrohtes Brasilien»

26.11.2020

Editorial

Brasilien gehört zu den Staaten, die am stärksten unter Covid-19 leiden. Bei Redaktionsschluss dieses Pfabüs (20. Oktober) zählte das Land gemäss Angaben der WHO 5.3 Millionen Corona-Infizierte und 155‘000 Corona-Tote. Die hohe Opferzahl ist nicht allein dem Virus geschuldet, sie ist auch Ausdruck einer Politik, die nicht primär die Menschen, sondern die mit den Bodenschätzen zu erzielenden Gewinne im Auge hat. Verantwortlich dafür ist in erster Linie Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Präventionsmassnahmen gegen das Virus hat der Regierungschef erst angeordnet, als es schon viel zu spät war. Der bekannte Befreiungstheologe Frei Betto bezichtigt denn auch Bolsonaro des Völkermords – nicht aus purer Gleichgültigkeit, sondern aus Absicht. Das Wichtigste, so Bolsonaro, sei nicht, das Leben von Menschen, sondern die Wirtschaft zu retten. Wen wundert’s, dass in Amazonien seit Ausbruch der Pandemie wieder sehr viel mehr Regenwald niedergebrannt wird als noch 2019? 

Das Virus ist zwar unsichtbar, aber in Brasilien nicht gesichtslos, denn es trifft vorwiegend eine soziale Klasse: Die Armen, die in den Favelas der Grossstädte vor dem Dilemma stehen, entweder zuhause zu bleiben und zu verhungern, oder trotz Ansteckungsrisiko einen Gelegenheitsjob zu suchen, um etwas Essen kaufen zu können. Ausserdem hat das Virus eine Hautfarbe: In weit überwiegendem Masse befällt es Schwarze und Rote, die Nachkommen afrikanischer Sklavenarbeiter und die indianische Urbevölkerung. Schliesslich hat Corona auch ein Geschlecht, ein weibliches: Die Frauen sind die Hauptleidtragenden der Pandemie, sind sie in ihren Familien doch, mehr noch als sonst, häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Corona macht vor allem auch die Lage für Kinder und Jugendliche nicht leichter, im Gegenteil. Das Kinderrechtszentrum Interlagos in São Paulo, eine Institution, die von unserer Pfarrei seit Jahren unterstützt wird, ist ein wichtiger Hoffnungsträger. Zentral sind die Projekte «Treffpunkt Kinderrecht» und «Netzwerk Kinderrecht». Dabei versuchen SozialarbeiterInnen und PsychologInnen die durch Gewalt verursachten Traumata von Kindern zu heilen. Zur Therapie gehört ein breites Angebot von Aktivitäten, die den Kindern eine gewaltfreie Perspektive fürs Leben aufzeigen.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, was Beat Wehrle vom Verein Novo Movimento über die aktuelle Situation in dem südamerikanischen Land berichtet und was Sie alles an der Adventsaktion im Pfarreiheim erwartet. 

 

Im Namen der Redaktion

Otto Dudle

 

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