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Neues Pfabü zum Thema «Immer neue Not in Haiti»

23.11.2021

Editorial

«Wir dürfen Haiti nicht aufgeben», titelte eine Schweizer Zeitung nach dem verheerenden Erdbeben im Südwesten Haitis von Mitte August und dem Wirbelsturm «Grace», der wenige Tage später die Lage in der verwüsteten Region weiter verschlimmerte. Mangels Geld sind die Häuser selten erdbebensicher gebaut. Der karibische Inselstaat wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht: Nach dem Erdbeben von 2010, das gegen 300'000 Tote forderte und etwa eine Million Menschen obdachlos machte, grassierte die Cholera im Land. Tropische Wirbelstürme, («Sandy», «Matthew», «Irma» usw.) verwüsten regelmässig ganze Landstriche.

Immer neue Not in Haiti, die Hiobsbotschaften hören nie auf. Warum trifft es immer wieder die Ärmsten? Es ist kaum zu glauben, aber nach der französischen Kolonialherrschaft – die Karibikinsel erlangte schon 1804 die Unabhängigkeit –, war Haiti das reichste Land Lateinamerikas. Die Abholzung des Regenwaldes hatte eine enorme Bodenerosion zur Folge. Dadurch stieg die Verletzbarkeit durch Wirbelstürme massiv. Die Übernutzung der verbliebenen Anbaufläche führte zu unfruchtbaren Böden, was die Verarmung beschleunigte. Heute lebt ein Drittel der Bevölkerung in den Städten und ist dort von Armut besonders betroffen. 

Haiti ist ein Land im notorischen Krisenmodus, wirtschaftlich und politisch. Seit dem Rücktritt von Präsident Jean-Bertrand Aristide 1996 kam das Land nicht mehr zur Ruhe. Heute dominieren kriminelle Banden, Korruption, fehlende Rechtsstaatlichkeit und Drogenhandel das innenpolitische Geschehen. Präsident Jovenel Moïse, ermordet im Juli dieses Jahres, ist nur einer unter vielen, die jeden Tag gewaltsam zu Tode kommen. Tausende StaatsbürgerInnen suchen ihr Glück in der Flucht übers Meer.

Vom Staat erwartet niemand etwas, die Bevölkerung muss sich schon selbst helfen. Heute ist Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, abhängig von internationaler, humanitärer und finanzieller Hilfe sowie von den Zahlungsüberweisungen der AuslandshaitianerInnen an ihre Familien. Am Tropf fremder Geldgeber gleicht Haiti einem Schwerkranken, der mittels Palliative Care vor dem endgültigen Kollaps bewahrt wird. So beeindruckend die Leidens- und Widerstandsfähigkeit der HaitianerInnen auch ist, aus eigener Kraft kann sich das Land nicht aus dem Sog der Armut befreien. Mit der Unterstützung der diesjährigen Adventsaktion bekräftigen wir, dass wir Haiti und seine leidgeprüften Menschen nicht aufgeben.

Für die Redaktion

Otto Dudle

 

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