Schritt für Schritt

Ein Gebet begründet auf der Gebetsinitiative vom Kloster Fahr.

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Neues Pfabü zum Thema «Tischgemeinschaften»

29.06.2018

Editorial

Eine der typisch menschlichen Urformen des Zusammenseins stellt die Tischgemeinschaft dar. Denn es geht bei Tisch nicht nur um SichErnähren, sondern um Leben-Teilen. Darum bin ich sehr froh, dass auch die Urform des christlichen Gottesdienstes auf ein jüdisches Fa mi lienri tual am Tisch zurückgeht. Im Teilen von Brot und Wein ist der Auferstandene gegenwärtig und verbindet uns mit ihm und untereinander.

Als der Pfarrer-Maler Sieger Köder gebeten wurde, für den Speisesaal des Landhauses vom römischen Priesterseminar Germanicum ein Bild vom letzten Abendmahl anzufertigen, hat er sich geweigert mit der Begründung, von diesem Motiv seien schon zu viele weltbrühmte Werke vorhanden. Daran wolle und könne er sich nicht messen. Und er hat ein biblisches Bild gemalt, das noch niemand vor ihm zur Darstellung gebracht hat – die Szene im Markusevangelium (2, 13–17), in der es heisst: «Als Jesus beim Essen war, assen viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern.» Tatsächlich hat Jesus längst vor dem letzten Abendmahl die Tischgemeinschaft als einen Ort gelebt, an dem er die damals übliche Trennung von «Reinen» und «Unreinen» aufgehoben hat. Am Tisch Jesu sind alle bedingungslos angenommen. Dieses Bild ist auf den Mittelseiten unseres Heftes zu sehen.

Später teilten im Gebiet von Kleinasien («Galatien») Judenchristen und Christen aus den Völkern (Nicht-Juden) den Tisch, obwohl für einen Juden jener Zeit ein Nicht-Jude «unrein» war. Aber als Getaufte durften sie sich nicht mehr ausschliessen. Für diese Tischgemeinschaft, die die Trennungen überwindet, kämpft Paulus im Brief an die Galater leidenschaftlich.

Jede echte Tischgemeinschaft hat etwas von einem Gottesdienst. In der menschlichen Nähe kommen wir mit dem Göttlichen in Berührung. Und wo Menschen aus dem Geist Christi Tischgemeinschaft schaffen, werden sie bevorzugt auch denen einen Platz einzuräumen, die sonst draussen bleiben.

In der Vielfalt der Tischgemeinschaften, die in diesem Heft beschrieben werden, leuchtet ein Licht auf. Es ist «das Licht von oben».

Für die Redaktion

Hugo Gehring

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